Narrative des Populismus: Erzählmuster und -strukturen populistischer Politik

Das Institut für Angewandte Narrationsforschung (IANA) der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) veranstaltete am Freitag, den 30. Juni 2017 die Tagung „Narrative des Populismus: Erzählmuster und –strukturen populistischer Politik.“ Neben einigen renommierten Wissenschaftlern aus den Bereichen Philosophie, Politik- und Medienwissenschaft, fanden sich auch eine Vielzahl politisch interessierter Gäste an der HdM ein und erörterten gemeinsam in Vorträgen sowie Diskussionsrunden die Narrative, Strategien und Merkmale populistischer Kommunikation und Weltanschauung in der Politik. Nachdem die Veranstaltung von Prof. Dr. Alexander W. Roos, dem Rektor der HdM, eröffnet wurde, übernahmen die beiden Gründer des IANA, Prof. Dr. Michael Müller und Prof. Jørn Precht die weitere Moderation und gaben den Gästen einen Überblick über das Programm sowie über die einzelnen Referenten und deren Vortragsthemen.

Als Keynote-Speaker fungierte der Philosoph und freiberufliche Autor Dr. Daniel-Pascal Zorn (Autor des Buches: Logik für Demokraten. Eine Einführung), der sich in seinem Vortrag auf die Vieldeutigkeit populistischer Phänomene sowie deren Eklektizismus als strategisches Element bezog. Im darauffolgenden ersten Themenblock „Die narrative Struktur populistischer Diskurse“ erläuterten Prof. Dr. Markus Arnold sowie Prof. Dr. Wolfgang Bergem die tragenden narrativen Diskurse der Demokratie bzw. die Bedeutungsgehalte und Beziehungen zwischen Narrativ, Diskurs sowie Volk und Populismus. Der zweite Themenblock „Mediale und politische Diskurse“ thematisierte zunächst in Person von Dr. Frank Gadinger das Aufkommen populistischer Narrative und die Vertrauenskrise unglaubwürdig gewordener liberaler Erzählungen sowie Lösungsansätze zur Auflösung des Antagonismus zwischen populistischen und liberalen Narrativen mittels verbindender Zwischenerzählungen. Danach referierte Prof. Dr. Friederike Herrmann über die unbewusste Etablierung latenter Erzählungen innerhalb öffentlicher Diskurse, die unbemerkt in Politikerreden und medialer Berichterstattung forciert werden und Deutungen oder Wahrnehmungen zu aktuellen Themen entscheidend beeinflussen können.

Im dritten Block „Guter und schlechter Populismus“ untersuchte Prof. Dr. Karin Priester in ihrem Vortag die narrativen Aspekte des Populismus in Geschichte und Gegenwart sowie die Rolle des Populismus als Ideologie und Strategie zum Machterwerb. Prof. Dr. Jens Borchert illustrierte zum Abschluss den Kern des Populismus im Sinne eines sozialwissenschaftlichen Begriffes und betonte, dass Populismus auch wichtige Kernanliegen der Demokratie aufgreift und zuspitzt und damit eine wichtige und positive Funktion gerade in hochkomplexen politischen Konstellationen wie der gegenwärtigen hat, gleichzeitig jedoch in seiner anti-institutionellen Grundhaltung immer auch eine hochproblematische Komponente aufweist. Zudem beleuchtete er den Hang zu eindeutigen „Gut-Böse-Erzählungen“, die jedoch der Ambivalenz populistischer Erscheinungen nicht gerecht werden können. Die Tagung bot neben den erwähnten Impuls-Vorträgen auch jeweils zum Ende eines jeden Themenblocks hin Platz für angeregte Diskussionen und regen Austausch zwischen Referenten und Auditorium.