Konservatives Heimatnarrativ: Ideenlos und rückwärtsgewandt

Von Manuel Butz

Heimat: Was ist Heimat und welches Narrativ verbirgt sich dahinter? Heimat scheint zunächst ein recht vager und offener Begriff zu sein: Für die einen ist Heimat ein Gefühl, für die anderen ein bestimmter Ort oder sogar mehrere Orte, die Familie oder einfach ein besonderer Personenkreis aus Freunden und Gleichgesinnten. Der derzeit von konservativen Parteien in Deutschland etablierte Heimatbegriff und das dazugehörige Narrativ – Bewahrung der deutschen Identität, Solidarität und Zusammenhalt – versuchen klare Konturen für diesen mannigfaltig interpretierbaren Begriff der Heimat zu finden. Insgesamt wirkt das Heimatnarrativ der Konservativen jedoch eher merkwürdig rückwärtsgewandt und defensiv als zukunftsorientiert und offensiv. Es scheint sich hier mehr um das Bewahren einer vergangenen verklärten sowie starren kulturellen Identität, um eine Erhaltung des „Status Quo“, um ein verzweifeltes Rückzugsgefecht des Nationalstaates gegen die Bewegungskräfte der Globalisierung zu handeln. In diesem Narrativ wird letztendlich ein Gesellschaftssystem beschworen, das sich an vergangenen „besseren“ Zeiten orientiert und komplett veränderte globale Rahmenbedingungen unbeachtet lässt und negiert. Allein hierbei zeigt sich bereits ein erster Denkfehler: Kultur an sich ist kein starres Konstrukt, das war früher nie so und wird auch zukünftig nicht so sein! Kulturelle Identität ist in Bewegung und ist wie die Natur und das menschliche Leben dem ständigen Wandel unterzogen!
Es werden im konservativen Narrativ dieser Tage durchaus auch drängende Probleme, wahre Tatsachen und wichtige Fragen, die durch die Globalisierung und den entfesselten Kapitalismus aufgeworfen werden, beschrieben und angesprochen: zunehmende soziale Ungleichheit, mangelnder bezahlbarer Wohnraum in Städten, Verödung ländlicher Regionen durch Landflucht, Entgrenzung der Arbeit, zunehmende außenpolitische Konflikte und die prekäre Lage der EU. Zudem werden darin auch positive Aspekte in Form der angestrebten Verbesserung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und das Versprechen gleichwertiger Lebensbedingungen für Alle beschwört. Narrative und Erzählungen wie diese sollen den Menschen Erklärungen liefern und Orientierung geben.
Problematisch erscheint an diesem konservativen Narrativ bei allen positiven Aspekten, bei allen wahren angesprochenen Problematiken und Tatsachen, dass es sich um eine rückwärtsgerichtete, passive und nationalorientierte Erzählung handelt. Ein derartiges Narrativ kann in Zeiten einer sich schnell wandelnden globalisierten Welt kaum Antworten für globale Probleme und Zusammenhänge wie Klimawandel, Umweltzerstörung, internationale Konflikte und große Fluchtbewegungen finden. Anstatt ein passives Narrativ anzustimmen, das suggeriert, dass alles so bleiben kann wie es ist, wäre es sinnvoller eine klare gestalterische Utopie zu entwerfen. Eine positivistische Zukunftsvision, in der dargelegt wird, wie wir in Zukunft leben möchten. Eine Utopie, die die globalen Rahmenbedingungen berücksichtigt und auf aktuelle Veränderungsprozesse eingeht und aktiv dafür kreative Gestaltungsmöglichkeiten sucht und anbietet. Denn eines ist sicher: die Welt wird sich weiter verändern und mit ihr auch der Ort der sich Heimat nennt. Warum dann nicht versuchen diesen Veränderungsprozess positiv und aktiv zu gestalten, da derartige Veränderungen auch immer Chancen und neue Möglichkeiten beinhalten.